Babylon Berlin

Eine mittreißende Kriminalserie führt uns zurück in die aufregenden, goldenen 20er Jahre.

Babylon Berlin - die neue Lieblingsserie der The Cool Cats
Babylon Berlin - die neue Lieblingsserie der The Cool Cats

Babylon Berlin ist eine deutsche Krimi-Serie bei der es gewissermaßen in unaufdringlicher Weise um Sex, Kriminalität und Geschichte geht. Die von der öffentlich-rechtlichen ARD in einer bisher einmaligen Koproduktion mit dem Bezahlsender Sky realisierte historische Fernsehserie entwirft dabei ein äußerst treffendes Sittengemälde des Berlins der späten 1920er Jahre.

 

Bei dem 40-Millionen-Euro-Projekt handelt es sich um die bislang teuerste deutsche Fernsehproduktion, weswegen die Erwartungen der Zuschauer seit ihrer Ankündigung entsprechend hoch waren. Neben drei Regisseuren, darunter den Hollywooderfahrenen Tom Tykwer (Lola rennt, Das Parfum), kann Babylon Berlin einen äußerst prominenten Cast [ein Starensemble] deutscher Schauspieler aufweisen - darunter Lars Eidinger, Peter Kurth, Hannah Herzsprung, Benno Fürmann und Karl Markovics. Zudem wirkten an dem Projekt neben rund 300 Sprechrollen etwa 5.000 Komparsen mit. In etwa 200 Drehtagen wurden an knapp 300 Drehorten mit unter anderem 8.000 Quadratmetern Außenkulissen in Babelsberg insgesamt 16 Folgen à 45 Minuten gedreht.

Die ersten beiden Staffeln der historischen Krimi-Serie wurden bereits 2017 zunächst beim Bezahlsender Sky ausgestrahlt und fanden etwa ein Jahr später auch den Weg ins Free-TV.

Die Handlung von Babylon Berlin setzt im Berlin des Frühjahrs 1929 an - in der kurzen Blütezeit der Demokratie und vor der Machtergreifung durch die Nazis. Die Goldenen Zwanziger Jahre liegen in den letzten Zügen und Berlin ist ein Ort der Sünde, Korruption und Gewalt.

Basierend auf dem Krimi-Bestseller "Der nasse Fisch" von Volker Kutscher erzählt Babylon Berlin die Geschichte rund um Gereon Rath (Volker Bruch), einem vom Ersten Weltkrieg seelisch verwüsteten Kriminalkommissar, der stark mit dem Opiat Morphium sympathisiert. Der aus unbekannten Gründen von Köln nach Berlin versetzte Protagonist macht Jagd auf einen von der Berliner Mafia geführten Pornoring und kommt dabei mit Drogen, Kunst, Politik, Mord, Emanzipation und Extremismus in Berührung.

Bei seinen Ermittlungen hilft ihm die junge, hübsche und selbstbewusste Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries), welche er im Polizeipräsidium kennen und schätzen lernt. Ritter hält sich und ihre verarmte Familie mit Gelegenheitsjobs wie der Katalogisierungen von Mordfällen für das Morddezernat über Wasser. Nachts verdingt sie sich zudem als Prostituierte in dem legendären Berliner Tanztempel Moka Efti, welcher in der Serie stark an das Berghain erinnert.

 

Die Suche nach einem heimlich aufgenommenen und äußerst kompromittierenden Sexfilmchen des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer, sowie eine Horde roter Russen, welche einen Zug mit wichtiger Ladung erwarten, ein korrupter Restaurantchef, ein schmarotzender österreichischer Autor und zahlreiche weitere Nebendarsteller und -handlungen, runden die historische Krimi-Serie ab und verleihen ihr eine besondere Authentizität mit extra viel Charme.

 

Zu der Authentizität tragen insbesondere auch die Kulissen von Tom Tykwers favorisierten Szenenbildner Uli Hanisch bei, der auch schon für die Kulissen zu dem Film "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" verantwortlich war. Da vom Berlin der Zwanziger Jahre nicht mehr viel zu finden war, stand Hanisch vor der Entscheidung aus dem heutigen Stadtbild etwas “zusammenzukleistern” oder seine eigene Welt zu kreieren. Er entschied sich für die eigene Kreation und baute in Babelsberg vier verschiedenen Stadtteilen nach, die ein Berlin von vor 100 Jahren entstehen ließen.

Die authentischen Kulissen und der beständige Wechsel der Personen und Orte lassen das am Zenit der Industrialisierung stehende Berlin für den Zuschauer regelrecht auferstehen und in seinen Bann ziehen. Die englische Serie Peaky Blinders, die das Birmingham der 1920er Jahre wieder aufleben lässt, bildet gewissermaßen ein Pendant zu Babylon Berlin, zumindest im Hinblick auf den zur Schau gestellten Zeitgeist.

 

Das Projekt Babylon Berlin sollte als ultimativer Beweis dienen, dass auch in Deutschland Qualitätsserien von internationalem Format entstehen können. Durch den Verkauf in fast alle europäischen Länder und nach Nordamerika wurde der Beweis wohl erbracht. Auch eine dritte und vierte Staffel wurden bereits in Auftrag gegeben und befassen sich mit dem zweiten Gereon-Rath-Roman "Der stumme Tod".

 

Obwohl Kuschners Romanzyklus unter dem Namen der Hauptfigur Gereon Rath publiziert wurde, nimmt der Titel der Serie Bezug auf die historische Stadt Babylon und steht damit interessanterweise verkürzend für die Abgründe der Großstadt Berlin. Denn Babylon war als Hauptstadt Babyloniens eine der wichtigsten Städte des Altertums und gilt in der Bibel als Ursprung von Hurerei, Sünde und Dekadenz. Tatsächlich wurde das moderne Berlin in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts häufiger mit der antiken Metropole verglichen. Der Einfluss Babylons auf Berlin reichte von der Architektur und der Ornamentik des Jugendstils bis zur Namensgebung des 1929 eröffneten Kinos Babylon.