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tourleben einer liveband: vom kultursommer hanau über wangerooge bis zum sommernachtsball in fürth

tourleben einer liveband: kultursommer hanau

So sieht das Tourleben einer Liveband wirklich aus: viel Organisation, wenig Schlaf und jede Menge unvergessliche Momente.

Viele denken wahrscheinlich, das Leben einer Liveband besteht hauptsächlich daraus, auf der Bühne zu stehen, 90 Minuten zu singen, Applaus zu bekommen und anschließend wieder nach Hause zu fahren.

Schön wär's.

Unser letztes Tourwochenende bestand aus drei neuen Songs, ungefähr fünf Stunden Schlaf, einem 90-minütigen Konzert beim Kultursommer Hanau, einer Fähre ohne Tickets, einem Veranstalter mit Fahrrad und Anhänger, einem Jahrhundertgewitter auf Wangerooge, einem Flug mit dem Inselflieger, einem Kater, einer Stunde im Rossmann, erstaunlich vielen Pommes und zum Abschluss dem Sommernachtsball in Fürth.

Und genau deshalb liebe ich diesen Beruf.

Kommt mit auf Tour...



bandprobe vor der tour: drei neue songs in letzter minute

Eigentlich machen wir das jedes Mal gleich. Kurz bevor eine kleine Tour startet, kommen wir auf die glorreiche Idee, noch schnell neue Songs ins Programm aufzunehmen.

Dieses Mal wurden daraus gleich drei.

Bei unserer letzten Bandprobe probten wir Crazy in Love, Barbie Girl und unser neues Rich Girl Medley. Auf dieses Medley bin ich ehrlich gesagt ein bisschen stolz. Darin stecken unter anderem If I Was A Rich Girl, Money, Money, Money, Funky Town und sogar eine kleine Passage aus If I Were A Rich Man. Irgendwie passt das alles erstaunlich gut zusammen und macht auf der Bühne einfach unfassbar Spaß.

Nach ein paar Stunden Probe waren wir zwar ziemlich platt, aber auch richtig glücklich. Am nächsten Morgen sollte das neue Programm schließlich schon Premiere feiern.


kultursommer hanau: ein tourwochenende beginnt

Unsere erste Station an diesem Wochenende war der Kultursommer Hanau.

Es gibt Konzerte, bei denen man schon nach den ersten Minuten merkt, dass heute einfach alles passt. Genau so war es dort. Das Publikum hatte richtig Lust, wir hatten richtig Lust und am Ende gingen alle mit einem breiten Grinsen nach Hause. Wir übrigens auch.

Das Schönste kam sogar erst danach. Über unseren Auftritt wurde richtig nett berichtet. Solche Momente freuen uns jedes Mal, denn hinter einem 90-minütigen Konzert stecken viele Stunden Proben, Organisation und ziemlich viele Autobahnkilometer.

Viel Zeit zum Ausruhen blieb allerdings nicht. Wir kamen spät nach Hause, schliefen ungefähr fünf Stunden und saßen gefühlt direkt wieder im Auto Richtung Nordsee. Irgendwann schlief eigentlich jeder. Mit offenem Mund natürlich. Ich hätte diese Fotos wahnsinnig gern veröffentlicht. Leider wurde mir das ausdrücklich verboten. Schade eigentlich. Das wären absolute Klassiker geworden.


downtown festival wangerooge: die anreise ist schon das erste erlebnis

Unser nächstes Ziel war das Downtown Festival Wangerooge.

Die Jungs fuhren mit unserem Tourbus und den Instrumenten, während wir Mädels mit einem zweiten Auto unterwegs waren. Wir wollten nämlich nach unserem Auftritt am nächsten Morgen mit dem Inselflieger direkt weiter nach Bayern und mussten deshalb unser Auto am Flugplatz stehen lassen.

Als wir am Hafen ankamen, war allerdings erst mal niemand da. Der Schalter war geschlossen, der Parkplatz ebenfalls. Also saßen wir einfach nur so da und warteten... Zirp, zirp. Ich glaub irgendwo rollte auch Tumbleweed vorbei. Irgendwann kam ganz entspannt eine Mitarbeiterin zurück. Ein bisschen muffelig zwar, aber gerade noch freundlich genug.

„Ach, ihr seid die Cool Cats? Eure Tickets liegen schon bereit.“

Seltsamerweise bekamen wir gar keine Tickets in die Hand gedrückt. Ich dachte mir nichts dabei. Ein paar Minuten später, sollte uns das Thema allerdings noch einmal begegnen.

Dann fehlte nur noch der Parkplatzwärter. Auch der tauchte irgendwann ganz gemütlich auf.

„Ach, ihr wollt hier parken? Fahrt erst mal durch. Könnt ja gleich wieder zurückkommen und bezahlen. Habt ja Zeit.“

Und wisst ihr was? Er hatte recht. Wir hatten tatsächlich Zeit.


mit der fähre nach wangerooge

Als wir später auf die Fähre wollten, fragte uns der Mitarbeiter nach unseren Tickets.

Ich schaute ihn etwas ratlos an.

„Welche Tickets? Uns hat niemand welche gegeben.“

Er schaute mich kurz an.

„Wo wollt ihr denn hin?“

„Na zu Radek, zum Downtown Festival.“

Er nickte.

„Ja, dann wird das schon stimmen.“

Und wir durften einfach auf die Fähre.

Ich glaube wirklich, entspannter als auf Wangerooge geht es nirgendwo. Die Überfahrt ist inzwischen fast schon eines meiner Highlights der ganzen Reise. Richard hatte es sich unten im Innenraum gemütlich gemacht und schlief mit seinem Kontrabass im Arm... Man spürte gleich die innige Verbundenheit.

Wir anderen standen oben an Deck, schauten aufs Meer, hielten die Nase in den Wind, quatschten mit Menschen, die wir vorher noch nie gesehen hatten oder spielten plötzlich mit einer fremden Familie irgendwelche Spiele, weil wir zufällig ins Gespräch gekommen waren.

Irgendwann merkt man ganz automatisch, wie man selbst immer ruhiger wird.

Genau deshalb lieben wir Wangerooge inzwischen so sehr.


downtown festival wangerooge: herzlich willkommen auf der insel

Unser Veranstalter Radek hatte uns angeboten, schon einen Tag früher anzureisen. Nicht, weil wir arbeiten sollten, sondern einfach, damit wir die Insel genießen konnten. Ganz ehrlich? Das ist alles andere als selbstverständlich.

Radek holte uns mit seinem Fahrrad und Anhänger ab. Hinten luden wir unser ganzes Gepäck und Equipment auf. Willkommen auf Wangerooge.

Bevor wir überhaupt ans Hotel denken konnten, machten wir erst mal einen Stopp an Radeks Lokal Brotway. Ja, genau: Brotway. Nicht Broadway, sondern Brotway. Dort kippten wir gemeinsam einen Schnaps zur Begrüßung. So kann man Künstler natürlich auch empfangen. Lieben wir! Julie ist übrigens fest davon überzeugt, dass sie eigentlich an den Broadway gehört. Das Foto vor dem Brotway musste deshalb natürlich sofort her. Ihr Kommentar: „Endlich am Broadway angekommen.“

Den Nachmittag verbrachten wir am Strand, liefen durch die kleinen Straßen und genossen einfach mal die Ruhe. Zeit zu haben, passiert im Alltag einer Liveband nämlich eher selten.

Radek ist sowieso ein Phänomen. Einer der herzlichsten Menschen, die ich jemals kennengelernt habe. Komplett durchgeknallt, voller Ideen und mit einer Energie, bei der ich manchmal denke, er hat ADHS wahrscheinlich erfunden. Das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint. Ich bin schließlich auch eine der Miterfinderinnen.

Genau solche Menschen machen Festivals besonders.


open mic im surfcafé auf wangerooge

Abends trafen wir uns mit meiner Freundin Aline, die auf Wangerooge ein Haus hat, im Surfcafé direkt am Strand. Eigentlich wollten wir nur kurz vorbeischauen.

Ihr könnt euch denken, wie das ausgegangen ist.

An diesem Abend war im Surfcafé Open-Mic-Abend und plötzlich wurden aus einer Stunde fast sechs. Es wurde gesungen, gejammt, getanzt und gelacht. Immer wieder kamen neue Leute dazu und irgendwann hatte man das Gefühl, das ganze Café singt mit.

Genau solche Abende kann man einfach nicht planen und wahrscheinlich bleiben sie gerade deshalb so lange im Kopf.


gewitter auf wangerooge: barfuß durch die dünen

Als wir irgendwann bezahlen wollten, änderte sich die Stimmung schlagartig. Innerhalb weniger Minuten zog ein Gewitter auf, wie ich es lange nicht erlebt hatte. Es regnete nicht, es schüttete.

Julie, Hendrik und ich waren die Letzten, die das Surfcafé verließen. Julie und ich sind irgendwie immer die Letzten. Hendrik musste dieses Mal Peggy ersetzen. Ich natürlich barfuß.

Zwischen den Dünen konnte man überhaupt nichts mehr erkennen. Es war stockdunkel und der Regen kam waagerecht. Plötzlich blitzte es. Für einen Sekundenbruchteil sahen wir ein Tor vor uns. Dann war wieder alles schwarz. Beim nächsten Blitz erkannten wir den Weg. Wir hatten gleichzeitig Angst, vom Blitz getroffen zu werden, und mussten uns kaputtlachen, weil die Situation einfach so absurd war.

Komplett durchnässt kamen wir irgendwann im Hotel an.


Wie ich ins Bett gekommen bin? Ey, keine Ahnung.


ein freier tag auf wangerooge zwischen kater, rossmann und sonnenbrand

Wie ich ins Bett gekommen bin? Ey, keine Ahnung.

Am nächsten Morgen wusste ich nur eins: Mir ging's riiiiiichtig mies. Also gab's erst mal Aspirin Complex, Ibuprofen und Elektrolyte. Irgendwann funktionierte ich wieder halbwegs und nach einem ausgiebigen Frühstück sah die Welt zum Glück schon etwas reizvoller aus.

Julie und ich beschlossen anschließend, noch kurz in den Rossmann zu gehen. Aus diesem „kurz“ wurde ungefähr eine Stunde. Nicht, weil wir dringend etwas gebraucht hätten. Wir standen einfach vor den Regalen und philosophierten darüber, ob goldener Lidstrich wohl irgendjemandem steht und welche Lippenstiftfarbe wir unbedingt mal ausprobieren müssten. Ich habe den goldenen Eyeliner natürlich gekauft... War ja klar.

Völlig random.

Währenddessen machte jeder einfach sein eigenes Ding. Peggy, Julie und Martell gingen schwimmen, Hendrik lief einmal quer über die Insel und holte sich dabei einen Sonnenbrand, der wahrscheinlich heute noch zu sehen ist. Hirsch machte erst mal ein Nickerchen.

Und Richard?

Ist ja auch egal.

Genau das liebe ich an solchen Tagen. Niemand muss irgendetwas. Jeder macht einfach das, worauf er gerade Bock hat.


veganes essen auf wangerooge überrascht sogar mich

Vor unserem Auftritt gingen wir gemeinsam essen. Als Veganerin habe ich beim Griechen ehrlich gesagt keine besonders hohen Erwartungen. Meistens läuft es auf Pommes hinaus. Vielleicht noch einen Salat.

Diesmal war alles anders.

Ich weiß heute noch ganz genau, was ich gegessen habe, weil einfach alles unfassbar lecker war und tatsächlich vegan. Das passiert mir nicht besonders oft.

Und wer mich kennt, weiß: Das ist ein riesiges Kompliment.

Die Kochkünste meiner Mutter übertrifft nämlich niemand.


downtown festival wangerooge: endlich ist konzert

Nach dem Soundcheck wurde es langsam ernst. Vor uns standen noch eine Shanty-Band und B. b. Thomaz mit ihrer Band auf der Bühne. Anschließend waren wir als Hauptact dran. Ich liebe dieses Festival. Die Menschen standen dicht an der Bühne, tanzten, sangen vom ersten bis zum letzten Song mit und machten einfach richtig Stimmung. Da haben wir ziemlich schnell festgestellt: Das Downtown Festival auf Wangerooge ist etwas ganz Besonderes.

Nach unserem Auftritt stürmten Julie und ich mit einem Gin Tonic in der Hand noch die Tanzfläche. Wir tanzten zwei, drei Songs und hatten selbstverständlich mal wieder, wie sollte es auch anders sein, mega Spaß. Dann bauten sich plötzlich vier höchstens 18-jährige Typen direkt vor uns auf. Die waren riesiiig. Sie hatten sich ganz offensichtlich abgesprochen, gaben sich gegenseitig Zeichen, grinsten, als hätten sie gerade den Jackpot geknackt, und waren sichtlich stolz auf ihren Plan. Daneben standen die beiden Mädels, mit denen sie eigentlich unterwegs waren, und guckten ungefähr so wie wir: „Äh ... was machen unsere Jungs da?“ Julie und ich guckten uns kurz an, rissen den Song noch zu Ende ab und verabschiedeten uns anschließend mehr oder weniger dezent. Die vier waren sichtlich irritiert. Das war dann doch selbst für uns etwas zu schräg.


mit dem inselflieger zurück aufs festland

Am nächsten Morgen wartete schon das nächste Abenteuer.

Radek sammelte uns wieder mit seinem Fahrrad und Anhänger ein und brachte uns zum kleinen Flugplatz.

Ich wäre vorher niemals auf die Idee gekommen, freiwillig in so ein kleines Flugzeug zu steigen. Entsprechend groß war mein Respekt.

Völlig umsonst.

Nach dem Start klebten wir praktisch alle mit der Nase am Fenster und konnten gar nicht mehr aufhören zu gucken. Unter uns lag Wangerooge, das Meer glitzerte in der Sonne und keine fünf Minuten später waren wir schon wieder auf dem Festland.

Viel zu schnell vorbei.


vom downtown festival direkt zum sommernachtsball in fürth

Kaum gelandet, stiegen wir wieder ins Auto und machten uns auf den Weg nach Fürth. Einmal quer durch Deutschland. Willkommen im Tourleben.

Der Sommernachtsball ist jedes Jahr etwas Besonderes. Überall laufen Menschen in Abendgarderobe herum, auf dem Gelände stehen verschiedene Bühnen und wer nicht passend angezogen ist, kommt teilweise gar nicht erst rein.

Nach unserem Auftritt gab's erst mal Pommes.

Is ja klar.

Danach landeten wir noch bei einem der DJs und haben kurzerhand die Tanzfläche unsicher gemacht. Den ganzen Abend auf der Bühne stehen und sich danach selbst noch ein bisschen feiern, bevor man völlig erledigt ins Bett fällt, gehört irgendwie auch dazu.

Lieben wir.


genau deshalb liebe ich diesen beruf

Wenn ich auf dieses Wochenende zurückblicke, denke ich nicht zuerst an die Konzerte.

Ich denke an eine Fähre ohne Tickets. An den Parkplatzwärter, der völlig tiefenentspannt meinte: „Habt ja Zeit.“ An Radek und seinen Fahrradanhänger. An Julies Broadway-Foto vorm Brotway. An ein Gewitter, bei dem wir den Weg immer nur dann gesehen haben, wenn der Himmel geblitzt hat. An goldenen Lidstrich im Rossmann, Sonnenbrand, Pommes und einen fünfminütigen Flug, den ich niemals vergessen werde.

Genau daraus besteht Tourleben. Nicht nur aus den 90 Minuten auf der Bühne.

Genau deshalb liebe ich diesen Beruf.

Zwei Tage später ging es übrigens schon wieder aufs nächste Schiff.

Aber ganz ehrlich? Die Geschichte erzähle ich euch ein anderes Mal.


christmas kitsch im senftöpfchen theater köln

Vorher freue ich mich erst mal auf unser Heimspiel.

Am 7. Dezember bringen wir unser Weihnachtsprogramm Christmas Kitsch! wieder ins Senftöpfchen Theater Köln.

Natürlich spielen wir das Programm auch an anderen Orten. Aber zu Hause ist es einfach etwas Besonderes. Vielleicht, weil dort immer so viele vertraute Gesichter im Publikum sitzen. Vielleicht, weil wir dieses kleine Theater einfach lieben. Oder vielleicht liegt es doch nur daran, dass der Heimweg deutlich kürzer ist.

Ich freue mich jetzt schon mega darauf.

Vielleicht sehen wir uns ja dort!?


Falls ihr kommt, bringt doch ein Wichtelgeschenk mit!

 
 
 

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